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Oktober 1, 2022 von Peter Steinhauer peter.steinhauer@scout24.com

Gaspreisdeckel: Keine Entwarnung für Vermieter!

Headerbild: © Deutscher Bundestag / Leon Kuegeler / photothek

Schon jetzt ist absehbar, dass der von der Bundesregierung beschlossene Gaspreisdeckel die Preise nicht auf das Niveau von 2021 bringen wird. Weiterhin droht der Versorgungsnotstand, wenn wir nicht Energie einsparen. Vermieter dürfen deshalb nur kurz aufatmen. 

Der von Vermietet.de zusammen mit ImmobilienScout24 veranstaltete Live Talk „Gaspreisexplosion“ brachte viele Erkenntnisse zu den Problemen der Vermieter mit den unkontrolliert steigenden Gaspreisen. Uns erreichten während der Aufnahme im Studio in Berlin über 500 Fragen. Bei einer der Umfragen erklärten rund 70 Prozent der Teilnehmer, sie hätten von ihren Versorgern bereits eine deutliche Erhöhung der monatlichen Abschläge erhalten. Rund ein Drittel der Vermieter gaben an, sie könnten die finanziellen Belastungen nicht tragen.

 

Dürfen Vermieter nach dem Doppel-Wumms aufatmen?

Am Nachmittag nach dem Live-Talk kam dann die nicht ganz überraschende Meldung vom Doppel-Wumms: Die Bundesregierung schafft die Gasumlage ab und hat sich auf einen Gaspreisdeckel geeinigt. Insgesamt 200 Milliarden Euro spendiert der Finanzminister, um die Bundesbürger zu entlasten. Zusätzlich vermeldeten die Nachrichtenagenturen am Folgetag: Die Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme sinkt um 12 Prozent.

Ist die Gaspreisexplosion nun verpufft? Stoppt der Gaspreisdeckel die in unserem Talk besprochene Kostenlawine für Vermieter? Und werden die drohenden Konflikte mit Mietern jetzt doch nicht so heftig wie wir befürchtet hatten?

Man sollte Vorsicht walten lassen, wenn man Antworten auf diese Fragen erhalten möchte. Man darf davon ausgehen, dass die von Bundeskanzler Olaf Scholz und seinen Kabinettskollegen versprochenen Milliarden ihre Wirkung entfalten werden. Die Kommentatoren sind sich einig: Jetzt starr auf Haushaltsdiziplin zu setzen, wäre kein gutes Signal gewesen. Auch Vermieter dürfen nun ein wenig Luft holen.

 

Die Gasknappheit wird mit dem Gaspreisdeckel nicht verschwinden

Sie sollten sich aber nur einen kurzen Atemzug erlauben. Denn das Problem der hohen Preise ist noch lange nicht gelöst. Deren Ursache, die durch den schrecklichen Ukrainekrieg verursachte Knappheit an Gas, wird so schnell nicht verschwinden.

Wir werden nun nicht wieder schön lange heiß duschen können. Sparen wir nicht enorme Mengen an Energie ein, drohen im Winter Rationierung und Zwangsabschaltung. Damit verbunden wäre im schlimmsten Fall ein Ausfall ganzer Industriezweige mit verheerenden Folgen. Die Wirtschaftsdaten deuten bereits jetzt auf eine schwere Rezession hin, die die Menschen in Not versetzen wird.

Deshalb sind die vielen Themen, die wir in unserem Talk besprochen haben, jetzt nicht alle hinfällig. In diesem Winter müssen Hausbewohner Energie sparen, wo immer sie können. Es gilt, weiterhin den Mieter aufzufordern, beim Heizen sparsam zu sein.

Die Bundesregierung hat die Information zum Verbrauch der Mieter bereits zur Pflicht gemacht. Auch sämtliche Maßnahmen zur Heizungsoptimierung und zur energetischen Sanierung sind jetzt nicht überflüssig geworden. Bestehende Verordnungen wie die Pflicht zum hydraulischen Abgleich wird die Politik mit Sicherheit nicht wieder einkassieren. Nur mit einem schnellen Umdenken beim Einsatz von Energie können wir unsere Häuser und Wohnungen zukunftssicher machen. Alle diese Maßnahmen werden die Kosten in der Vermietung weiter in die Höhe treiben.

TippQuadratmeter – Der Vermieterpodcast

Wir haben für unseren Podcast Quadratmeter einen neuen Vermietertalk aufgenommen. Florian und Peter diskutieren ohne Scheuklappen und gerade heraus zu den Themen Gaspreise, Proteste gegen hohe Mieten und das Kündigungsmoratorium. Florian erzählt von seinem verschwundenen Mieter und wir berichten von einem Interview, dass uns eine PR-Dame während des Mittagessen beim Asiaten per Telefon anbietet. Die dort getätigten Behauptungen zum Berliner Mietmarkt sind frei erfunden und haben uns extrem verärgert.

 

Politik fordert weiterhin ein Kündigungsmoratorium

Die Politik wird es sich trotz Gaspreisstopp nicht nehmen lassen, die Märkte weiter drastisch zu regulieren. Ähnlich wie während des Corona Lockdowns möchte die Bundesregierung ein Kündigungsmoratorium für Mieter einführen. Bundesbauministerin Klara Geywitz hat sich im Interview mit der Bild Zeitung deutlich dafür eingesetzt. Die Stadt Berlin hat für ihre 360.000 landeseigenen Wohnungen den Kündigungsstopp bereits beschlossen. Damit sollen alle Mieter, die ihre Heizkosten nicht zahlen können, vor dem Verlust ihrer Wohnung geschützt werden. Berlins Bausenator Andreas Geisel erklärte: „Private Vermieterinnen und Vermieter sind ganz ausdrücklich dazu aufgefordert, sich unserem Beispiel anzuschließen.“

 

Die Energiekrise ist noch nicht überwunden

Man darf als Vermieter den vom Bundeskanzler verkündenden Doppel-Wumms begrüßen und darauf hoffen, dass er seine Wirkung entfaltet. Die von Rechtsanwalt Steffen Gross im Live Talk „Gaskostenexplosion“ ausgesprochene dringliche Empfehlung, die Nebenkosten anzupassen, ist noch lange nicht Schnee von gestern. Es ist nicht klar, ob die Versorger die in vielen Fällen am 1. Oktober 2022 fälligen, teilweise exorbitant erhöhten Abschläge wieder zurücknehmen. Allein der bürokratische Aufwand wäre enorm. Wie der Gaspreisdeckel aussehen wird und wer überhaupt davon profitieren wird, weiß derzeit kein Mensch. Von einer Entwarnung für Vermieter zu sprechen wäre fatal. Wir sind bei der Energiekrise noch lange nicht über den Berg. 

 

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