Summende Nachbarn: Das Bienen-Projekt von Heimstaden und Stadtbienen e.V.

„Vier Jahre, nachdem die Bienen ausgestorben sind, stirbt auch der Mensch aus.“ Damit hatte Einstein nicht ganz Unrecht, denn die Insekten sind für die ökologische Vielfalt auf der Erde verantwortlich. Ohne ihre Bestäubung können sich Pflanzen nicht mehr vermehren. Zwei Drittel der Nutzpflanzen können ohne die kleinen Insekten nicht fortbestehen. Damit sind Bienen unverzichtbar für das Ökosystem.

Es ist daher wichtiger denn je, die Bienen zu schützen und ihnen wertvollen Lebensraum zurückzugeben!

 

Auf spannender Mission

Bienen und Menschen leben schon seit einigen Jahrhunderten friedlich miteinander. Selbst in städtischen Gebieten ist solch eine Koexistenz ohne Probleme möglich. Grund genug für das Immobilienunternehmen Heimstaden sich mit Stadtbienen e.V. zusammenzuschließen und gemeinsam eine spannende Mission zu starten.

Der gemeinnützige Verein Stadtbienen wurde im Jahr 2014 in Berlin gegründet. Sein Ziel ist die Verbreitung einer ökologischen Bienenhaltung auch im urbanen Raum. Gut zu wissen: Der Vorteil einer Stadt besteht für die Bienen sogar darin, dass es hier weniger Pestizide als im ländlichen Gebiet gibt. Zudem bietet auch eine Stadt ein ausreichendes Nahrungsangebot für die fliegenden Helfer. Damit das Ganze erfolgreich umgesetzt werden kann, hat sich der Verein mit Heimstaden zusammengeschlossen. So wurden bereits auf Dächern von Wohngebäuden – wie zum Beispiel inmitten des Berliner Bezirks Tempelhof-Schöneberg – erste Bienenstöcke aufgestellt sowie bezogen.

 

Ängste vor Bienen abbauen

Daneben werden städtische Wildblumenwiesen angelegt, damit Bienen und andere Pflanzen-Bestäuber ausreichend Lebensräume haben. Eine dieser Bienenwiesen befindet sich in der Hoeppnerstraße in Berlin. Eine weitere steht bereits in Planung: am Päwesiner Weg in Spandau. Damit das Zusammenleben von Biene und Mensch funktioniert, wurden hier auch die benachbarten Mieter mit eingebunden.

Wir freuen uns über die positive Resonanz der Mieter und Nachbarn aus der Umgebung“, freut sich die Projektleiterin von Heimstaden, Pia Sperling. „Aus der Mieterschaft meldeten sich bereits Freiwillige, die dabei mithelfen möchten, die ‚Wilde Wiese‘ zu bewässern und zu pflegen. So können wir nicht nur unserem Nachhaltigkeitsansatz gerecht werden, sondern Menschen direkt vor Ort Freude bereiten und die Natur zurück in die Stadt bringen“, sagt Sperling weiter.

Viele Menschen – und vor allem auch Kinder – fürchten sich vor Bienen. Um diese Ängste abzubauen, werden die Anwohner ausreichend über die Lebensweise von Bienen und das Projekt informiert. Mit diesen Informationen werden Biene und Mensch wieder ein Stückchen zusammengebracht. Durch eine ausreichende Sensibilisierung für dieses Thema und die ökologischen Zusammenhänge wird ein Bewusstsein für die Biene als wichtige Komponente innerhalb der Biodiversität geschaffen.

Mithilfe eines respektvollen Umgangs mit der Biene wird auch zur Erhaltung dieses Lebewesens beigetragen. Umweltbildung ist heute wichtiger denn je geworden. Vor allem Bienen benötigen geschützte Habitate, damit sie sich ohne einen menschlichen Einfluss sichere Populationen aufbauen.

 

Wie alles begann

Die Reise starte da, wo sie jetzt weitergeht: über den Dächern Berlins. Der Gründer von Stadtbienen e.V., Johannes Weber, hielt seine ersten eigenen Bienen in einem Dachgarten. Nachdem er umziehen musste und nur noch einen Balkon zur Verfügung hatte, bekamen er beziehungsweise seine Bienen allerdings ein Platzproblem. Die herkömmlichen Behausungssysteme waren für kleine Flächen nicht geeignet. Also konstruierte Johannes eine eigene Behausung, die robust und naturnah war, sodass die Insekten den bestmöglichen Komfort erhalten. Damit war die „Aktion Balkonbienen“ geboren.

Aufgrund des großen Interesses an dieser Aktion und der positiven Resonanz wurde Stadtbienen e.V. gegründet. Mit Bildungsangeboten und Bienenbehausungen fördert der Verein die ökologische Haltung.

 

20.000 Bienen in einer Bienen-Box

Bis zu 20.000 Bienen passen in solch eine Box, welche speziell vom Verein angefertigt wurde. Die Herstellung der ökologischen Holzboxen erfolgte durch die Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Zudem fördern die Boxen den Naturwabenbau der Völker. Heimstaden ist aktuell dabei, neue Standorte in Deutschland wie Dresden, Magdeburg und Rostock zu finden, um das Bienen-Projekt auszuweiten.

Den Honig, den die Bienen herstellen, kann im folgenden Jahr von den Mietern des Hauses genascht werden. Dabei gibt der Verein zwar kein Mengenversprechen ab. Dafür sorgt er aber für ein stressfreies und glückliches Leben der Bienen. Die entspannten Insekten fliegen übrigens bis zu 50 Kilometer pro Stunde und entfernen sich dabei mehrere Kilometer vom Bienenstock. Während eines Jahres werden so bis zu 36 Millionen Flugkilometer zurückgelegt. Das entspricht einer Entfernung von circa 900 Umrundungen der Welt.

 

Wie viel kostet ein Bienenvolk?

Bei der Bienen-Box handelt es sich um eine kompakte Trogbeute, welche über ein kleines Rähmchenmaß verfügt. Mit solch einer Box kann jeder ganz einfach in der Stadt Bienen halten. Von den nachhaltig und in Handarbeit gefertigten Boxen werden 450 Stück pro Jahr produziert, wobei die Produktion relativ kostenintensiv ist. Daher kostet eine Bienen-Box ab 400 Euro.

Wenn Du als Vermieter Dir ein Bienenvolk anschaffen möchtest, melde Dich doch einfach beim Verein. Wichtig ist vor allem, dass Du einen geeigneten Standort für die Bienen bereitstellen kannst. Egal, ob auf dem Dach, am Balkon oder im Garten, der Standort sollte trocken sein und den Bienen 50 Prozent Sonne und 50 Prozent Schatten bieten. Wenn Du außerdem das Flugloch Richtung Osten ausrichtest, werden Deine Bienen mit der aufgehenden Sonne aktiv.

Vor dem Flugloch sollten mindestens drei Meter Platz sein, damit die Bienen problemlos einfliegen können. Bei einem unzureichenden Platzangebot genügt auch ein Busch oder eine Hecke (ein bis zwei Meter vor dem Flugloch). Dadurch werden die Bienen gezwungen nach oben zu fliegen, wodurch sie schneller aus dem Gartenbereich herausfliegen.

Die Bienen suchen sich ihre Nahrung innerhalb eines fünf Kilometer großen Radius. Normalerweise werden sie auch in der Stadt fündig. Wenn Du ihnen etwas helfen möchtest, kannst Du einfach bienenfreundliche Pflanzen in der Umgebung aussäen. Auch eine Wasserquelle ist vor allem in den heißen Sommermonaten ratsam.

Du siehst also, mit einem kleinen Schritt, kann viel für die Umwelt getan werden. Mit der richtigen Aufklärungsarbeit und guten Ideen wird auch die Stadt zu einem naturnahen Lebensraum für Tier und Mensch.