Balkonkraftwerk: Solarstrom für die Wohnung

Die Energiewende ist in aller Munde. Das Klima zu schützen war nie so wichtig wie aktuell. Zudem steigen die Energiekosten zurzeit ins Unermessliche. Wer will da nicht einen – wenn auch nur kleinen – Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig die Stromkosten senken? Ein Mini-Kraftwerk auf dem Balkon kann hier eine Lösung sein. Mit solch einer Solaranlage wird Strom für den eigenen Bedarf produziert. Wenn sich Deine Mieter für dieses Thema interessieren und vielleicht sogar bereits angefragt haben, ein Balkonkraftwerk einbauen zu dürfen, geben wir Dir hier die wichtigsten Informationen zu diesem Thema an die Hand.

Mittlerweile benötigt man für den Betrieb einer eigenen Solaranlage kein eigenes Dach oder eine besonders große Freifläche. Ganz im Gegenteil – ein Balkon oder eine Terrasse genügen. Mit einem praktischen Balkonkraftwerk können Mieter oder Wohnungseigentümer eigenen Strom generieren. Dies spart Kosten und schont die Umwelt.

 

Vermieter müssen Balkonsolaranlagen zustimmen

Du bist Vermieter und fragst Dich nun, was Du tun kannst, wenn Dein Mieter eine Balkonsolaranlage bei sich installieren möchte. Ein Amtsgericht hat Dir hier die Entscheidung abgenommen:

Wenn sich Mieter für die eigene Produktion von nachhaltigem Strom entschieden haben, benötigen diese neuerdings nicht mehr die Zustimmung des Vermieters. Das Amtsgericht Stuttgart hatte den Fall, dass eine Vermieterin geklagt hatte (Urteil vom 30. März 2021 – 37 C 2283/20)

Ein Mieter wollte auf seinem Balkon in Stuttgart ein Balkonkraftwerk anbringen. Die Vermieterin verweigerte die Genehmigung. Der Mieter baute die Solaranlage dennoch ein. Pro Jahr konnte so eine Stromersparnis von 180 Euro erzielt werden. Zudem wird CO2 eingespart, wodurch das Klima geschützt wird. Die Solaranlage wurde beim Stromnetzbetreiber registriert und durch die private Haftpflichtversicherung des Mieters versichert. Die Stadt Stuttgart bestätigte außerdem die Genehmigungsfreiheit.

Die Vermieterin klagte allerdings auf Beseitigung des Balkonkraftwerkes. Sie verlor den Prozess. Die Begründung: Der Mieter hat ein Anspruch auf Genehmigung einer Balkonsolaranlage, weil es dem Umweltschutz dient. Und dieser ist sogar als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Zudem waren ebenso alle rechtlichen Voraussetzungen in diesem Fall erfüllt: die fachgerechte Installation, keine optische Störung und ein leichter Rückbau der Anlage. Generell wird aber davon abgeraten, ein Balkonkraftwerk ohne die Zustimmung des Vermieters zu montieren.

 

Solargeräte für den Balkon erzeugen Strom für den Privathaushalt  

Solargeräte für den Balkon werden einfach in eine übliche Haushaltssteckdose angebaut. Sie sind so konzipiert, dass sie nicht viel Platz benötigen. Deswegen ist eine Montage an Balkonbrüstungen, Außenwänden, Dächern, Terrassen sowie Gärten möglich. Die Mini-Solargeräte erzeugen in der Regel maximal 600 Watt elektrische Leistung. Für den Anbau bedarf es keinerlei Fachkenntnisse.

Die Mini-Kraftwerke bestehen aus ein oder zwei Standard-und einem Wechselrichter. Dieser wandelt den Gleichstrom in 230-Volt-Wechselstrom für Haushaltsgeräte um. Dadurch fließt der selbsterzeugte Strom in die Steckdose am Balkon und versorgt von dort Haushaltsgeräte wie Fernseher, Kühlschrank oder Waschmaschine.

Die Kosten belaufen sich durchschnittlich auf 500 bis 1.000 Euro – je nach Leistung und Zubehör. Es gibt auch Geräte, die mit 3.000 Euro zu Buche schlagen. Ein Balkonkraftwerk muss beim örtlichen Stromnetzbetreiber angemeldet werden. Dieser entscheidet, ob ein Austausch des Stromzählers notwendig ist. In den kommenden Jahren solle ohnehin deutschlandweit die alten Zähler durch neue, elektronische ausgetauscht werden. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Netzbetreiber für den Austausch.

 

Vor- und Nachteile eines Balkonkraftwerks

Langfristig lassen sich durch ein Mini-Kraftwerk auf dem Balkon Kosten für Strom sparen. Zudem macht man sich etwas unabhängiger von den großen Stromerzeugern. Die Entlastung der Umwelt ist ein weiterer positiver und wichtiger Aspekt. Außerdem sind die kleinen Geräte mobil und können auch bei einem Umzug mitgenommen werden. Es gibt jedoch ebenso Nachteile. Um Dir einen besseren Überblick zu geben, haben wir folgend die Vor- und Nachteile eines Balkonkraftwerks aufgelistet.

  • Vorteile
  • Nachteile
  • Mehr Unabhängigkeit von steigenden Energiekosten
  • Nicht jede Kilowattstunde wird im eigenen Haushalt verbraucht
  • Vor allem etwas hochwertigere Geräte haben eine Laufzeit von 30 Jahren; die Kosten sind durchschnittlich nach sieben bis zwölf Jahren abgedeckt
  • Einbau eines neuen Stromzählers mit Rücklaufsperre ist mitunter notwendig
  • Mini-Solaranlagen sind mobil und lassen sich einfach installieren
  • Entlastung der Umwelt

Unser Fazit

Balkonsolaranlagen sind modern und mittlerweile auch legal. Lange Zeit befand sich der Einbau solcher Geräte in einer rechtlichen Grauzone. Durch das Stuttgarter Urteil wurde nun ein Meilenstein gesetzt und der Einbau darf von jedem erfolgen. Wir empfehlen, dennoch einen Austausch zwischen Mieter und Vermieter, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Die durch den Einbau entstandenen Kosten rentieren sich im Schnitt nach einem Drittel der Nutzungsdauer. Eine Entlastung der Umwelt und ein Stück Unabhängigkeit sind hier die absoluten Pluspunkte. Daher ist die Anschaffung einer Balkonsolaranlage durchaus zu empfehlen.