Tiny House als Immobilien-Invest

Tiny Houses bieten aufgrund der überschaubaren Kosten gute Renditechancen. Ein Hindernis sind die hohen Grundstückspreise und die vielen bürokratischen Hürden.

Der Tiny House Trend stammt aus den USA und hat sich dort fast schon zu einer politischen Bewegung entwickelt. Die Anhänger des „Small House Movement“ sehen im Wohnen auf kleiner Fläche von oft nur 20 – 40 Quadratmetern einen Beitrag zu einem nachhaltigen Lebensstil. Die Bewegung propagiert mit dem „Downsizing“ eine Reduktion des Überflusses, der uns alle umgibt. 

Minimalismus

In der Ästhetik der Tiny Houses gibt es Schnittmengen zum Minimalismus in Architektur und Design. Einfache, reduzierte Formen liefern einen Kontrast zur komplizierten, mit Konsumreizen überladenen Wirklichkeit. Auf Instagram lässt sich dieser aufgeräumte, in seiner Ruhe und Bescheidenheit sympathisch wirkende Life Style perfekt in Szene setzen. 

Bessere Ökobilanz

Tiny Houses können Brachflächen oder Baulücken erschließen, wo oft keine herkömmliche Bebauung möglich ist. In den Ballungsräumen sollen die Small Houses so zu einer verbesserten Nachverdichtung beitragen. Beim Bau achten die Tiny House Jünger darauf, dass Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz zum Einsatz kommen. Strom und Wärme werden aus regenerativen Energien erzeugt. Weniger Haus bedeutet auch weniger Verbrauch von Ressourcen und Energie. Deshalb sind die Tiny Houses gegenüber herkömmlichen Bauten bei der CO2 – und Ökobilanz klar im Vorteil.

Tiny House Dörfer

Der Trend hat mittlerweile einen großen Markt mit einer Vielzahl von Herstellern hervorgebracht. Diese bieten Mini-Häuser als modularen Bausatz an oder bringen diese schlüsselfertig per LKW direkt zum gewünschten Standort. Es gibt Messen oder Kongresse zu dem Thema, sogar ein Tiny House Verband hat sich gegründet. Die Umweltbank bietet eine eigene Finanzierung an, um sich den Traum von günstigen, umweltfreundlichen Mikrohaus mit Solarpanel auf dem Dach zu erfüllen. In einigen Gemeinden sind ganze Tiny House Dörfer entstanden. Auf dem Onlineportal „Wohnglück“ findet sich eine interaktive Karte mit allen solchen Siedlungen in Deutschland.

Günstiges Invest

Ob Tiny Houses auch als Anlage interessant sind, beantwortet der Blick auf die Kosten. Tiny Houses mit 15 bis 35 Quadratmeter Wohnfläche werden zu einem Preis zwischen 25.000 und 65.000 Euro inklusive Möblierung angeboten. Aus diesen Zahlen lässt sich ein Durchschnittspreis von circa 2000 Euro pro Quadratmeter ableiten. Demnach sind die Minis deutlich günstiger als herkömmliche Bauvorhaben.

Hohe Grundstückspreise

Trotz der günstigen Preise und der schönen Bilder von Miniarchitekturen in der freien Natur ist bei einem Investment nüchtern vorzugehen. Denn zum Preis für das Minihaus kommt noch der Erwerb des Grundstücks hinzu. Schöne Naturlagen sind kaum zu finanzieren, ebenso freie Flächen in der Stadt. Die Aufteilung eines Grundstücks in viele kleine Parzellen bietet Chancen. Im Harzer Vorland, am Ortsrand von Hornburg, sind so 115 Kauf-Grundstücke entstanden. Die zwischen 100 und 200 Quadratmeter großen Einzelgrundstücke kosten inklusive aller Anschlüsse rund 25.000 Euro.

Hürde Baurecht

Zur Hürde wird bei der Errichtung eines Minihauses oft die hiesige Bürokratie. Stehen die Häuser auf Rädern, dann kann man sie wie ein Wohnmobil befristet irgendwo hinstellen. Ohne Räder fällt das Mini-Zuhause ganz normal unter das Baurecht. Auflagen beim Brandschutz oder Abstandsregeln gelten wie bei jedem anderen Bauvorhaben auch. Liegt ein Bebauungsplan vor, werden Gebäudehöhen, Dachneigung oder Fassadenmaterialien vorgeschrieben. Der Bau eines Tiny House ist oft gar nicht möglich.

Der Bebauungsplan regelt auch die Erschließung der Gebäude. Liegt keiner vor, dann wird es mit der Versorgung von Strom und Wasser, mit Abwasser und der Entsorgung des Mülls schwierig.

Neue Gesetze gefordert

Um das Konzept Tiny House mit seinen ökologischen und ökonomischen Vorteilen nicht im Keim zu ersticken, sind Forderungen aufgekommen, das Baurecht zu verändern. „Ein einheitliches Gesetz auf Länderebene, das die schnelle und unbürokratische Errichtung von Tiny Houses regelt, würde Investitionspotenzial freilegen und attraktiven zusätzlichen Wohnraum schaffen“, fordert Maxim Tilev, Geschäftsführer der Greenwater Capital GmbH, in einen Beitrag für die Immobilienzeitung.

Gute Renditechancen

Tiny Houses lösen mit Sicherheit nicht die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes und bleiben ein Nischenthema. Sie spiegeln den Zeitgeist wider, der sich irgendwann auch drehen kann. Als Immobilieninvest für den kleinen Geldbeutel haben sich die Mini-Häuser bereits etabliert und eröffnen bei sorgfältiger Betrachtung der Rahmenbedingungen gute Renditechancen.