Nachhaltigkeit
April 10, 2022 von Peter Steinhauer peter.steinhauer@scout24.com

Solardachpflicht: Was gilt in den Bundesländern?

Die Solardachpflicht hat die Politik in einigen Bundesländern bereits eingeführt. Vor dem Hintergrund der drohenden Knappheit von Gas und Öl wird eine bundesweite Solardachpflicht immer wahrscheinlicher.

Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen hat durch den schrecklichen Ukrainekrieg eine ungewollte Dynamik bekommen. Die Bundesregierung möchte bis 2045 den CO2-Ausstoß des gesamten Gebäudesektors auf null bringen. Mit der nun drohenden Gas- und Öl Knappheit drängt die Politik darauf, dieses Ziel noch schneller zu erreichen.

 

Stromproduktion aus Sonnenenergie soll sich vervierfachen

Solarenergie ist mit einem Anteil von sieben Prozent neben der Windkraft der größte Lieferant von erneuerbaren Energien. Vor allem bei der Stromproduktion spielt die Photovoltaik eine zentrale Rolle. Die Bundesregierung hat das Ziel, bis zum Jahr 2030 die Produktion von Strom auf 200 Gigawatt zu erhöhen und damit zu vervierfachen.

Im August 2021 veröffentlichte Bündnis 90/Die Grünen einen Gesetzentwurf zur Beschleunigung des Ausbaus von Solaranlagen zur Stromerzeugung auf Gebäuden. Die Umsetzung des geplanten Gesetzes ist bislang am Widerstand der ehemaligen Regierung gescheitert.

Für den Herbst hat die neue Regierungskoalition eine Neufassung des „Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG)“ angekündigt. Dass die Gesetzesnovellierung auch die Solardächer in den Fokus nehmen und weiter fördern wird, gilt als sicher. Angekündigt sind auch Vereinfachung und Verbesserungen beim Mieterstrom.

Die Pflicht zum Einsatz von Photovoltaik auf dem Dach ist bereits in zahlreichen Bundesländern eingeführt. Hier eine Übersicht:

 

Baden-Württemberg
Seit 1. Januar 2022 sind bei allen neu gebauten gewerblich genutzten Gebäuden Solaranlagen Pflicht, ab dem 1. Mai auch auf Wohngebäuden. Möchte der Eigentümer sein Dach sanieren, muss er ab dem 1. Januar 2023 Photovoltaikmodule installieren.

 

Berlin
Der Berliner Senat hat beschlossen, dass ab 1. Januar 2023 bei neu gebauten Wohngebäuden ebenso wie bei Gewerbebauten eine Photovoltaikanlage installiert werden muss.

 

Hamburg
Für alle Neubauten gilt eine Solardachpflicht ab dem 1. Januar 2023. Bei der Dachsanierung im Bestand gilt die Pflicht ab 2025.

 

Niedersachsen / Schleswig-Holstein
Ab dem 1. Januar 2022 müssen auf Nicht-Wohnhäusern Solaranlagen installiert werden. In Niedersachsen gilt ab 2025 die Solarpflicht auch für Wohnhäuser.

 

Bremen
Bremen möchte gerne „Solarcity“ werden. Es gibt aber bislang nur Pläne ab 2023 eine Solarpflicht für alle Neubauten einzuführen, sowohl Wohnhäuser als auch Gewerbegebäude.

 

Bayern
Eine Solardachpflicht gibt es seit 2021 für gewerbliche Anlagen. Eine Photovoltaik-Pflicht für Wohnhäuser wird in Bayern zwar diskutiert, es konnte im Parlament bislang aber keine Einigung erzielt werden.

 

Wohnungswirtschaft fordert differenzierte Betrachtung der baulichen Gegebenheiten

Der verstärkte Einsatz von Photovoltaik auf den Dächern stößt in der Wohnungswirtschaft grundsätzlich auf Zustimmung. Interessenvertreter fordern aber eine differenzierte Betrachtung. „Eine allgemeine Solarpflicht auf den Dächern ist zu pauschal. Wir brauchen eine sinnvolle Einzelbetrachtung, auf welchen Gebäuden eine Solarisierung auch wirklich nützt“, meint Dr. Andreas Mattner, Präsident des zentralen Immobilienausschusses.

Der ZIA fordert in einem Positionspapier die spezifische Situation eines jeweiligen Gebäudes zu betrachten. Nicht überall lassen sich Solarpanele montieren. Hemmnisse können die Dachstatik oder der Denkmal- und Brandschutz sein. Auch kann es zu einer Konkurrenz kommen zwischen der Gründachnutzung und unaufgeständerten Solarpanelen. Die Begrünung der Dächer ist ebenfalls bereits in einigen Bundesländern Pflicht.

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