Haus überschreiben & Pflichtteil berücksichtigen

Wenn Sie Ihre gesetzlichen Erben aus dem Testament streichen, steht diesen dennoch ein bestimmter Teil des Nachlasses zu. Was es beim Haus überschreiben bezüglich des Pflichtteils für Erben zu berücksichtigen gilt, erfahren Sie hier von uns.

Ob Sie ein Haus vererben oder verschenken, den Pflichtteil müssen Erben grundsätzlich immer leisten, wenn andere Erben per Testament enterbt werden. Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen, etwa bei schwerwiegenden Straftaten gegen den Erblasser, entscheiden Gerichte gegen den Pflichtteilsberechtigten und verweigern den Anspruch auf seinen Teil des Nachlasses. Wenn Sie ein Haus überschreiben und den Pflichtteil umgehen möchten, sind die Optionen also sehr begrenzt.

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In der Praxis werden immer wieder Verzichtserklärungen zwischen dem Erblasser und dem Enterbten vereinbart. Diese beinhalten jedoch oftmals Abfindungen, etwa in Höhe des gesetzlichen Pflichtteils. Der Vorteil ist, dass Erben den Pflichtteil nicht leisten müssen, sondern der Erblasser diesen noch zu Lebzeiten leistet.

Haus überschreiben – Pflichtteil orientiert sich an der Erbmasse

Wenn Sie das Haus zu Lebzeiten überschreiben, fällt der Pflichtteil an, sobald der Todesfall eintritt. Das heißt, nicht zum Zeitpunkt der Hausschenkung werden die Geschwister ausgezahlt, sondern erst nach dem Ableben des Erblassers. Für die Berechnung der Erbschaftssteuer und des Pflichtteils wird der Wert der Immobilie verwendet, den diese zum Zeitpunkt der Schenkung hatte. Wichtig ist somit eine aktuelle Wertermittlung der Immobilie vor der Erbschaft bzw. zum Zeitpunkt der Hausüberschreibung.

Immobilie überschreiben & Pflichtteil berechnen

Gemäß § 2303 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) beträgt der Pflichtteil enterbter Erben 50 Prozent des gesetzlichen Erbteiles.
Beispiel: Wenn Sie in Ihrem Testament nur ein Kind zum alleinigen Erbe ernennen und das zweite Kind keinen Nachlass erhält, beträgt der Pflichtteil des zweiten Kindes 25 Prozent des Nachlasses. Bei Einhaltung der gesetzlichen Erfolge hätten beide Kinder 50 Prozent erhalten.

Wollen Sie nur an ein Kind das Haus überschreiben, muss dieses die Geschwister auszahlen. Dabei gilt nicht der Anspruch auf den Pflichtteil, sondern auf die Pflichtteilsergänzung, die nach § 2325 BGB geregelt ist, da es sich um eine Schenkung handelt. Dies soll verhindern, dass beim Haus überschreiben der Pflichtteil durch die Schenkungen reduziert wird. Im Erbfall werden daher alle Schenkungen innerhalb der letzten zehn Jahre zur Nachlassmasse hinzugezählt. Wie hoch die Pflichtteilsergänzung ist, hängt vom Zeitpunkt der Schenkung ab. Im 1. Jahr vor dem Erbfall beträgt diese 100 Prozent, im 2. Jahr 90 Prozent, im 3. Jahr 80 Prozent und so weiter. Liegt die Schenkung elf Jahre zurück, beträgt die Pflichtteilsergänzung dementsprechend 0 Prozent.

Beispiel: Wenn Sie im Jahr 2015 ein 400.000 Euro teures Haus überschreiben, beträgt der Pflichtteil beim Erbfall in 2018 80 Prozent (320.000 Euro). Dieser würde zusätzlich zum Nachlass ohne Schenkung gerechnet. Von der Gesamtsumme beträgt der Pflichtteil dann 25 Prozent.

In unserem Blog finden Sie viele hilfreiche Artikel rund um die Themen Erbschaft, Hausschenkung und Immobilien. Dabei gibt es verschiedene Situationen zu berücksichtigen, etwa im Falle einer Scheidung. Was Sie dann bei der Hausüberschreibung beachten müssen, lesen Sie in diesem Artikel.

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